Reifendruckkontrollsystem (RDKS) Fehler: Sensoren neu anlernen
Das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) zeigt nach einem Radwechsel, einer Reifenmontage oder dem Austausch von RDKS-Sensoren häufig eine Warnmeldung im Kombiinstrument an. Die Sensoren müssen dann vom Steuergerät neu eingelernt werden, damit das System wieder korrekt arbeitet und den Reifendruck jedes Rades eindeutig zuordnen kann.
Batterie-Warnleuchte leuchtet rot: Lichtmaschine oder Batterie defekt?
Was bedeutet der Fehler beim RDKS?

Das Reifendruckkontrollsystem überwacht kontinuierlich den Luftdruck in allen vier Reifen – bei manchen Fahrzeugen auch den Reservereifen. Jeder RDKS-Sensor im Rad sendet seine Sensor-ID sowie Druck- und Temperaturdaten per Funkübertragung (433 MHz oder 315 MHz) an das RDKS-Steuergerät oder das ABS-Steuergerät.
Nach einem Radwechsel, der Montage neuer RDKS-Sensoren oder einem Wechsel zwischen Sommer- und Winterrädern kennt das Steuergerät die Position der einzelnen Sensoren nicht mehr. Das Fahrzeug kann dann nicht mehr eindeutig zuordnen, welcher Sensor zu welchem Rad gehört. Die Folge ist eine RDKS-Warnleuchte im Kombiinstrument oder eine Meldung wie „RDKS-System prüfen“, „Reifendruck nicht verfügbar“ oder „Sensoren nicht erkannt“.
Der Anlernvorgang ist zwingend erforderlich, damit das System wieder vollständig funktioniert. Ohne korrekte Zuordnung kann das RDKS keine verlässliche Drucküberwachung durchführen und die Warnfunktion bleibt eingeschränkt oder deaktiviert.
Mögliche Ursachen im Überblick
- Radwechsel (Sommer-/Winterreifen) ohne Anlernen der Sensoren
- Neue RDKS-Sensoren wurden verbaut, aber nicht initialisiert
- Batterie des Fahrzeugs wurde abgeklemmt, wodurch gespeicherte Sensor-IDs verloren gingen
- Sensoren wurden vertauscht oder falsch montiert
- Werkstatt hat den Anlernvorgang nach der Montage nicht durchgeführt
- Steuergerät hat durch Softwarefehler die Sensor-IDs verloren
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Lösung
Einfache Prüfungen und Vorbereitung
- Alle vier Reifen auf den Solldruck (siehe Türholmaufkleber oder Tankdeckel) aufpumpen
- Fahrzeug auf ebener Fläche abstellen, Zündung ausschalten
- Prüfen, ob in allen Rädern tatsächlich RDKS-Sensoren verbaut sind (bei Stahlfelgen oft nicht der Fall)
- Kombiinstrument auf Fehlermeldungen prüfen – bei mehreren Störungen zunächst andere Fehler beheben
Anlernverfahren je nach Fahrzeughersteller
Variante 1: Automatisches Anlernen (hauptsächlich bei VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche)
- Alle Reifen auf Solldruck bringen
- Zündung einschalten, Motor muss nicht laufen
- Im Infotainment-System oder MFA (Multifunktionsanzeige) das Menü „Reifendruck“ oder „RDKS“ aufrufen
- Option „Reifen speichern“, „Sensoren neu anlernen“ oder „Reifendruck anpassen“ wählen
- Bestätigung mit OK-Taste oder Touchscreen
- Fahrzeug mindestens 10–15 Minuten mit einer Geschwindigkeit über 20 km/h fahren
- System lernt Sensoren automatisch ein, RDKS-Warnleuchte erlischt nach erfolgreicher Zuordnung
Variante 2: Manuelles Anlernen mit Anlernwerkzeug (z. B. bei BMW, Mercedes-Benz, Opel, Ford)
- RDKS-Anlernwerkzeug (z. B. Huf RDKS Tool, Alligator RDKS-Trigger) wird benötigt
- Zündung einschalten, Anlernmodus im Fahrzeugmenü aktivieren (z. B. über iDrive, COMAND oder Tasten am Lenkrad)
- Bei einigen Modellen: Hupe ertönt als Bestätigung für Anlernbereitschaft
- Anlernwerkzeug an das Ventil des vorderen linken Rades halten, Signal senden
- Fahrzeug bestätigt mit Hupsignal oder Warnblinkanlage
- Vorgang wiederholen für vorderes rechtes Rad, hinteres rechtes Rad, hinteres linkes Rad (Reihenfolge je nach Hersteller beachten)
- Nach dem letzten Rad: Zündung aus und wieder einschalten, System prüft Zuordnung
Variante 3: Anlernen über Diagnosegerät (bei älteren oder komplexen Systemen)
- OBD-Diagnosegerät (z. B. Autel MaxiTPMS, Launch X431, Bosch KTS) verwenden
- OBD-Stecker unterhalb des Lenkrads einstecken
- Fahrzeugmodell und Baujahr im Diagnosegerät auswählen
- Menüpunkt „RDKS“ oder „Reifendrucksensoren“ aufrufen
- Option „Sensoren anlernen“ oder „ID-Zuordnung“ starten
- Sensor-IDs werden automatisch ausgelesen und gespeichert
- Alternativ: Manuelle Eingabe der Sensor-IDs (aufgedruckt auf dem Sensor selbst, nur bei Demontage sichtbar)
Prüfung nach dem Anlernen
- RDKS-Warnleuchte im Kombiinstrument muss erlöschen
- Testfahrt über 15–20 Minuten bei verschiedenen Geschwindigkeiten durchführen
- Im Fahrzeugmenü prüfen, ob alle vier Reifendruckwerte korrekt angezeigt werden
- Bei anhaltender Störung: Fehler mit Diagnosegerät auslesen, um defekte Sensoren oder Funkstörungen auszuschließen
Wann ist ein Fachmann erforderlich?
Wenn das Anlernen nicht erfolgreich ist oder die RDKS-Warnleuchte dauerhaft leuchtet, liegt meist ein technisches Problem vor:
- RDKS-Sensor ist defekt oder die Batterie im Sensor (Lebensdauer ca. 5–10 Jahre) ist leer
- Funkstörung durch elektronische Geräte im Fahrzeug oder fehlerhafte Antenne im Radkasten
- Steuergerät speichert Sensor-IDs nicht korrekt, Softwarefehler möglich
- Sensoren sind mechanisch beschädigt oder durch Montagefehler falsch positioniert
Kosten Fachbetrieb:
- Auslesen und Anlernen per Diagnosegerät: 30–80 Euro
- Austausch eines RDKS-Sensors: 50–120 Euro pro Sensor (Material)
- Montage und Auswuchten: 15–30 Euro pro Rad
- Gesamtkosten bei Austausch aller vier Sensoren: 300–600 Euro
Ein Fachbetrieb oder eine Reifenwerkstatt mit RDKS-Kompetenz sollte aufgesucht werden, wenn Eigenversuche erfolglos bleiben oder technische Hilfsmittel fehlen.
Tipps zur Vorbeugung
- Bei jedem Radwechsel den Anlernvorgang durchführen oder durchführen lassen
- Reifendruck regelmäßig manuell prüfen (monatlich), auch wenn das RDKS keine Warnung zeigt
- RDKS-Sensoren beim Reifenwechsel nicht unnötig demontieren – bei Felgenwechsel ggf. Sensoren ummontieren lassen
- Auf Universal-RDKS-Sensoren setzen, die mit mehreren Fahrzeugmodellen kompatibel sind (z. B. Schrader EZ-Sensor, Huf IntelliSens)
- Diagnosegerät oder Anlernwerkzeug für Eigenanlernen anschaffen, wenn häufiger Radwechsel anfällt
- Software-Updates des RDKS-Steuergeräts bei Werkstattbesuchen durchführen lassen
ACHTUNG: Alle Angaben ohne Gewähr, erfordern Fachkenntnis und bergen Lebensgefahr bei unsachgemäßem Vorgehen. Rufen Sie den Kundendienst ohne elektrotechnisches Wissen. Fehlercodes dienen nur als Orientierungshilfe, keine Reparaturanleitung. Die Liste ersetzt keine Diagnose, wird aber stetig erweitert.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich auch ohne Anlernwerkzeug die Sensoren anlernen?
Ja, bei vielen Fahrzeugen mit automatischem Anlernen funktioniert das über das Bordmenü und eine anschließende Fahrt. Bei Fahrzeugen mit manuellem Anlernverfahren (z. B. BMW, Mercedes) ist jedoch ein RDKS-Anlernwerkzeug oder ein Diagnosegerät zwingend erforderlich.
Warum leuchtet die RDKS-Warnleuchte nach dem Anlernen weiter?
Mögliche Ursachen sind ein defekter RDKS-Sensor, leere Sensor-Batterie, Funkstörung oder ein Softwarefehler im Steuergerät. Ein Fehlerspeicher-Auslesen mit einem OBD-Diagnosegerät gibt Aufschluss über die genaue Ursache.
Können Universal-RDKS-Sensoren mit jedem Fahrzeug verwendet werden?
Universal-RDKS-Sensoren (z. B. Schrader EZ-Sensor, Huf IntelliSens Universal) müssen zunächst programmiert werden, um die korrekte Sensor-ID und das passende Protokoll (433 MHz oder 315 MHz) zu erhalten. Das erfolgt mit einem speziellen Programmiergerät in der Werkstatt.
Wie lange dauert das automatische Anlernen während der Fahrt?
Bei den meisten Fahrzeugen mit automatischem System (z. B. VAG-Konzern) dauert das Anlernen zwischen 10 und 30 Minuten Fahrt bei Geschwindigkeiten über 20 km/h. Das Steuergerät muss alle Sensor-IDs eindeutig erkennen und zuordnen.
Muss ich die Sensoren nach jedem Reifenwechsel neu anlernen?
Das hängt vom Fahrzeug ab. Bei einigen Herstellern speichert das Steuergerät zwei Sätze Sensor-IDs (Sommer- und Winterreifen). Bei anderen muss nach jedem Wechsel neu angelernt werden. Die Bedienungsanleitung des Fahrzeugs gibt hierüber Auskunft.
Was kostet ein RDKS-Sensor und wie lange hält er?
Ein einzelner RDKS-Sensor kostet zwischen 30 und 120 Euro, je nach Hersteller und Fahrzeugmodell. Die Lebensdauer liegt bei 5 bis 10 Jahren oder 100.000 bis 150.000 Kilometern. Danach ist meist die interne Batterie erschöpft und der Sensor muss getauscht werden.
Kann ich RDKS-Sensoren selbst wechseln?
Theoretisch ja, praktisch ist jedoch eine Reifenmontagemaschine und ein Auswuchtgerät erforderlich. Ohne diese Werkzeuge ist ein fachgerechter Wechsel nicht möglich. Zudem müssen neue Dichtungen und Ventilkappen verwendet werden, um Luftverlust zu vermeiden.
Funktioniert das RDKS auch bei Stahlfelgen?
Ja, sofern RDKS-Sensoren verbaut sind. Bei vielen Fahrzeugen werden Stahlfelgen für Winterreifen jedoch ohne Sensoren ausgeliefert. In diesem Fall muss entweder auf Sensoren nachgerüstet werden oder das RDKS bleibt für die Winterreifen inaktiv.